Live-Übertragung aus dem OP

Bei einer Live-Übertragung aus dem OP am 18. Oktober 2006 erlebten nervenstarke Medizininteressierte hautnah, wie Chefarzt Dr. Norbert Lindner und sein Team einem anonymen Patienten ein neues Hüftgelenk einsetzen.

Gebannt starren die 60 Zuschauer auf den Bildschirm in der Orthopädischen Ambulanz. Als Lindner zum präzisen 8cm-Schnitt ansetzt, hört man nur ein leises „Ogottogott“. Die meisten verfolgen haarklein wie sich die Operateure durch die Haut-, Fett- und Muskelschichen arbeiten, um schließlich Hüftkopf und Pfanne freizulegen.

Jeder Schritt und Schnitt wird von Oberarzt Dr. Stefan Fabian erklärt. Er steht im Zuschauerraum und beantwortet geduldig die Fragen der Besucher. Im Publikum sitzen Schüler, bereits Operierte, Patienten, denen eine solche Operation noch bevorsteht, Pflegende und medizinisch Interessierte. Über eine Standleitung kann Fabian auch mit dem OP-Team kommunizieren. Diese Hüftoperation ist die erste der drei Live-Operationen, die an diesem Morgen auf dem Programm stehen. Später setzen die Orthopäden noch eine Knieprothese ein und führen einen Oberflächenersatz am Hüftgelenk nach Mc Minn durch.

Dem Patienten die Ängste nehmen

Bereits im vergangenen Jahr war die Direktübertragung aus dem OP auf große Resonanz gestoßen. Auch für diesen Morgen haben sich 180 Menschen angemeldet. Lindners Konzept geht auf. „Mit dem Angebot wollen wir vor allem aufklären, Ängste nehmen und falsche Vorstellungen beseitigen“, erläutert er im Vorfeld. Inzwischen stemmt OP-Leiter Oberarzt Dr. Dirk Baumann mit sichtbar großer Kraftanstrengung den Hüftkopf aus der Hüftpfanne. „Das ist ein echter, ostwestfälischer Knochen“, witzelt Lindner und das Publikum staunt beeindruckt, als der riesige verknorpelte Hüftkopf zum Vorschein kommt. Mit einer batteriebetriebenen Maschine fräst Lindner nun die erkrankten Knochen- und Knorpelanteile der Hüftpfanne ab. „Wir machen hier nichts anderes als ein Schreinermeister“, untertreibt Lindner. Wenn die Oberfläche wieder glatt wie ein Kinderpopo ist, wird die künstliche Pfannenschale zementfrei im Beckenkopf verklemmt und eine Kopfkappe mit Knochenzement auf dem Stumpf des Oberschenkelhalses fixiert. „Wir verwenden nur hochwertige Prothesen, sie halten etwa 15 bis 20 Jahre“, betont Fabian. Paul Spieke, der mit seiner Frau im Publikum sitzt, meint: „Da würd’ ich am liebsten mittüfteln“, als er die Ärzte mit Bohrmaschine, Hammer und Fräse hantieren sieht. Er schaut sich den Eingriff an, da er selber bald operiert wird.
Keine Stunde dauert der Eingriff, während die Assistenzärzte noch die Wunde vernähen, kommt Lindner aus dem OP, die Zuschauer begrüßen ihn mit tosendem Applaus. Pro Jahr werden im Brüderkrankenhaus rund 120 minimal invasive Gelenkersatz-Operationen durchgeführt. Vorteil ist, dass der Patient durch den kleinen sechs bis acht Zentimeter langen Schnitt nur 100 bis maximal 400 Milliliter Blut verliert. Muskeln und Sehnen werden zur Seite geschoben und damit geschont. Der Patient kommt so schneller wieder auf die Beine.