"Denn für Gott ist nichts unmöglich" (Lk 1, 37)

Liebe Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter,

Verkündigung
Maria staunte nicht schlecht, als der Erzengel Gabriel ihr die Geburt eines Sohnes, des Sohnes Gottes, ankündigte. Auf ihre Frage, wie das denn geschehen solle, da sie ja keinen Mann erkenne, antwortete der Engel: „Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabeth, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie schon jetzt im sechsten Monat schwanger. Denn für Gott ist nichts unmöglich.“ (Lk, 1, 35-37).

Grenzen benennen - Perspektiven entwickeln

„Denn für Gott ist nichts unmöglich“ – wie sehr erinnert dieser Zuspruch des Engels an die eigenen Grenzen: Grenzen, der äußersten Belastbarkeit, die Sie in den Krankenhäusern, in den Einrichtungen für alte und behinderte Menschen in den je eigenen Aufgabenbereichen erfahren. Wie mutlos klingt da der Zuspruch, dass zwar für Gott nichts, für uns aber so vieles unmöglich ist: Es fehlt Zeit, es fehlt an Mitteln, es fehlt an Verständnis, es fehlt an Personal ... die Auflistung dessen, was „fehlt“, um Unmögliches möglich zu machen, begegnet Ihnen und uns in den verschiedenen Varianten fast jeden Tag. Und in der Tat müssen wir uns fragen, ob es manchmal nicht ehrlicher wäre, mit einem kraftvollen „Es reicht!“ die Brocken hinzuwerfen, anstatt immer wieder neu zu versuchen, den engen Grenzen des Alltags zu trotzen. Es gibt Grenzen, die nicht mehr erträglich sind und es lohnt, dagegen anzugehen. Die Großdemonstration im September in Berlin, zu der ein breites Bündnis verschiedener Organisationen, die ansonsten keine gemeinsame Interessen verbindet, war so ein „Es reicht!“. Und genauso ist es auch für unsere Dienstgemeinschaft wichtig, Grenzen zu benennen, um neue Perspektiven zu entwickeln.

Unser christlicher Auftrag als immer neue Herausforderung leben

„Denn für Gott ist nichts unmöglich“ – dieser Zuspruch bedeutet für Christinnen und Christen aber auch Hoffnung, Mut und Zuversicht. Nicht als naiver Wunderglaube oder ein schicksalsergebenes „Gott wird’s schon richten“, sondern als ein Beispiel und eine Aufforderung, sich im Namen und Auftrag Gottes dem vermeintlich „Unmöglichen“ zu stellen. Wäre nicht diese gemeinsame Wurzel unseres Handelns, bliebe so mancher Patient in seiner Not alleine, manch’ alter Mensch einsam und manch’ behinderter Mensch weiter ausgegrenzt. Ohne Sie bliebe in der Tat das alles unmöglich. Wir werden häufig gefragt, was uns als BBT-Gruppe eigentlich von anderen, nicht konfessionellen Trägern unterscheidet. Die Pflege? Die Medizin? Das Kreuz im Krankenund Wohnzimmer? Die Feste im Jahresverlauf? „Weder noch“ und doch „alles ein bisschen“, denn als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leben Sie diesen christlichen Auftrag mit all ihren Talenten und im täglichen Einsatz, Unmögliches möglich zu machen. Damit sind wir nicht besser und auch nicht anders als andere konfessionelle Träger, aber doch in jedem einzelnen Fall einzigartig. Das, was Sie die Ihnen anvertrauten Menschen, Ihre Kolleginnen und Kollegen erfahren lassen, ist immer wieder neu, immer wieder einzig ein Zeichen der Liebe Gottes, die uns trägt und die wir an Andere weitergeben. Obwohl wir eigentlich von allem zu wenig haben.

Gottes Liebe gibt uns Kraft

„Denn für Gott ist nichts unmöglich“ – Die Advents- und Weihnachtszeit lässt uns den Zwiespalt von Grenzen und Notwendigem in unserem Alltag in ganz eigenartiger Form spüren: Zum einen drängen die Dominosteine schon seit August immer mehr in unser Blickfeld, zum anderen wächst der Stress gerade zum Jahresende. „Weihnachten? Keine Zeit! Frag’ mich im Februar nochmal …“. „Denn für Gott ist nichts unmöglich“ – auch für das Nachdenken darüber, was diese Zusage Gottes für uns heißt, bleibt keine Zeit. Und doch erleben wir in den Einrichtungen der BBT-Gruppe, dass – bei allen notwendigen Konflikten und „Es reicht!“-Rufen – gerade diese Zusage zum Ansporn wird. Dort, wo statt Resignation Hoffnung gelebt wird, statt Einzelkampfgeist Teamgeist, dort wo neue Perspektiven sich auftun, obwohl nichts mehr erwartet wurde. „Denn für Gott ist nichts unmöglich“ – Mit der Geburt des Menschen Jesus, wird die Fülle der Möglichkeiten Gottes in ihrem ganzen Reichtum in die Welt gebracht. Maria hat sich dieser Fülle, diesem Reichtum geöffnet und ja gesagt. Gott ist Liebe. Und diese Liebe gibt uns die Kraft, Grenzen zu überwinden in der Hoffnung, die wir tief in uns tragen und weitergeben:

An jenem Tage wird man sagen:
Seht, das ist unser Gott,
auf ihn haben wir unsere Hoffnung gesetzt,
er wird uns retten.
Das ist der Herr,
auf ihn setzen wir unsere Hoffnung.

(Jesaja 25.9)
Möge das Weihnachtsfest Sie, Ihre Familien und Freunde, den Reichtum dieser Liebe Gottes erfahren lassen und zum kraftvollen wie kraftgebenden Begleiter im neuen Jahr werden! Im Dank für Ihre Mitarbeit wünschen wir Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit und ein frohes 2009!
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