Die Parkinsonerkrankung (Morbus Parkinson) ist eine der häufigsten Hirnerkrankungen. Sie nimmt mit steigendem Alter zu, so dass im 60ten Lebensjahr etwa 1% der Bevölkerung, aber im 80ten Lebensjahr bereits 3% der Bevölkerung betroffen sind. Dabei tritt die Erkrankung jedoch nicht nur bei Menschen ab dem 60ten Lebensjahr sondern vielen Fällen auch deutlich früher teilweise bereits vor dem 30ten Lebensjahr auf. In den letzten 20 Jahren hat die Forschung sehr viel zum Verständnis der Entstehung der Erkrankung aber auch zur Entwicklung neuer Therapien beigetragen. Heutzutage steht ein ganzes Arsenal an Medikamenten zur Verfügung. Bei Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Medikamente kommt heute nach genauer Überprüfung auch eine chirurgische Behandlung mit Einsetzen von Stimulationselektroden im Gehirn (so genannter Hirnschrittmacher) in Frage.
Ambulante Behandlung
In der Abteilung für Neurologie und Neurophysiologie werden Patienten mit Parkinsonerkrankung und anderen Bewegungsstörungen wie z.B. Multisystematrophie, Progressive supranukleäre Blickparese, Morbus Huntington, Tremor (Zittern), Restless legs Syndrom (Syndrom der unruhigen Beine) sowohl ambulant als auch stationär behandelt. Der Leiter der Abteilung,
Prof. Dr. M. Maschke, hat sowohl in den USA (Minneapolis) als auch in Essen und Trier Forschungsarbeiten zum Thema Parkinsonerkrankungen durchgeführt. Die ambulante Behandlung erfolgt in einer
Spezialsprechstunde für Bewegungsstörungen in der Chefarztambulanz. Dabei wird neben der Erstdiagnose ein Hauptaugenmerk auf die medikamentöse Neueinstellung oder Umstellung gerichtet. Mit den Kollegen des Zentrums für Radiologie, Nuklearmedizin und Sonographie werden spezielle Techniken wie z.B. die radioaktive Darstellung der typischen Veränderungen des Gehirnes bei M. Parkinson mittels DATScan oder IBZM SPECT angewandt, um die Diagnose zu sichern. Bei Patienten mit
Zittererkrankungen (Tremorerkrankungen) wird eine Tremoranalyse mittels Elektromyographie in unserem neurophysiologischen Labor durchgeführt. Zudem wird gemeinsam mit den Kollegen der
Abteilung für Neurochirurgie die Indikation zur tiefen Hirnstimulation („Hirnschrittmacher“) gestellt und nach der Operation die Einstellung vorgenommen. Patienten mit dystonen Bewegungsstörungen (Torticollis, Blepharospasmus, generalisierte Dystonien) werden in der
Spezialsprechstunde Botulinumtoxin der leitenden
Oberärztin Frau Dr. Weimar und in der Chefarztambulanz betreut. Dort erfolgt auch die Injektion mit Botulinumtoxin bei entsprechender Indikation.
Stationäre Behandlung
Die
stationäre Behandlung sieht eine so genannte
Komplexbehandlung Parkinson vor. Dabei werden die Patienten/innen durch unterschiedliche Berufsgruppen (Psychologen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Ärzte, Pflege) nach einem individuell auf den Patienten ausgerichteten Behandlungsplan therapiert. Dieser sieht neben der ärztlichen und pflegerischen Visite und Behandlung wenigstens eine Stunde Logopädie/Physiotherapie/Ergotherapie/psychologische Therapie in einer Einzelsitzung sowie mindestens 30 Minuten Gruppentherapie pro Tag vor. Dabei werden sowohl die speziellen Therapien im Therapienzentrum Medico wie z.B. Bewegungsbad als auch spezifische Kenntnisse der Logopädie (Therapie mittels Lee-Silverman-Technik) und der
Psychologie (Entspannungstechniken, Beratung bezüglich psychosozialer Belastungsfaktoren) genutzt. Die Dauer der stationären Behandlung im Rahmen der Komplexbehandlung Parkinson liegt in der Regel zwischen 14 und 21 Tagen.