Hodentumortherapie in Anbindung an ein Zweitmeinungszentrum für Hodentumoren


Auftreten  

Hodentumoren treten mit einer Häufigkeit von 3-10 Neuerkrankungen / 100.000 Einwohner / Jahr bei steigender Tendenz in der westlichen Welt auf.
Dies entspricht in etwa 3-10 neuen Patienten alleine im Stadtbereich Trier pro Jahr.
Die Hodentumoren haben je nach „Art“ (man unterscheidet Seminom oder Nichtseminom) unterschiedliche Altersgipfel: Beim Nichtseminom liegt der Häufigkeitsgipfel der Erkrankungen in etwa zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr, beim Seminom etwas später zwischen dem 30. und dem 40. Lebensjahr.
Aufgrund dieser besonderen Häufung der Hodentumoren in jungen Jahren, gehören sie zu den wichtigsten bösartigen Tumoren des (jungen) Mannes, obwohl es sich hierbei insgesamt „nur“ um 1-1,5% der Krebserkrankungen des Mannes und um etwa 5% aller urologischen Tumoren handelt.



Risikofaktoren

Bei den Hodentumoren sind spezielle Risikofaktoren bekannt, deren Vorliegen mit einer höheren Rate an Erkrankungen verbunden ist im Vergleich zur „gesunden“ Durchschnittsbevölkerung.
Zu den Risikofaktoren gehören der kindliche Hodenhochstand oder der kindliche Bauchhoden, der angeborene Leistenbruch und auch ein bekannter Hodentumor bei erstgradig Verwandten (Vater, Brüder). Darüber hinaus stellen ein krankhaft verändertes Spermiogramm, die männliche Unfruchtbarkeit, bestimmte Gewebeveränderungen im Hoden (die sogenannte Testikuläre Intraepitheliale Neoplasie oder TIN) Riskofaktoren für das Auftreten eines Hodentumors dar. Es sind überdies auch Erbkrankheiten wie zum Beispiel das Klinefelter-Syndrom bekannt, die mit einem gehäuften Auftreten von Hodentumoren in Verbindung gebracht werden. Letztlich stellt ein aufgetretener Hodentumor überdies auch für die Zukunft einen Risikofaktor für das Auftreten eines Hodentumors auf der Gegenseite dar.



Diagnostik

Die Hodentumoren sind im Gegensatz zu vielen anderen bösartigen Tumoren auch noch im fortgeschrittenen Stadium heilbar. Diese fortgeschrittenen Tumorstadien sind durch Absiedlungen (Metastasen) des Hodentumors in anderen Körperbereichen als dem Hoden gekennzeichnet. Die Diagnostik des Hodentumors umfasst daher bei allen Patienten neben der körperlichen Untersuchung des Hodens und der Lympkknotenstationen, den Ultraschall von Hoden und Bauchraum, eine Computertomografie von Brustkorb und Bauchraum und die Blutuntersuchung mit der Bestimmung bestimmter Hodentumormarker (LDH, AFP und ß-HCG).



Therapie

Die Therapie des Hodentumors beginnt in der Regel mit der operativen Entfernung des gesamten tumortragenden Hodens sowie des anhängenden Samenstranges über einen Leistenschnitt. Häufig werden im Rahmen dieses Eingriffs noch Biopsien aus dem gesunden Hoden der Gegenseite zur feingeweblichen Untersuchung entnommen.
In Einzelfällen kann eine Teilentfernung des tumortragenden Hodens erwogen werden. Eine solche Situation findet sich zum Beispiel bei beidseitigem Tumorbefall oder bei Einzelhoden mit normaler Hormonproduktion (Testosteron). Bei weit fortgeschrittenem Tumorstadium mit bereits beeinträchtigter Lungenfunktion durch Metastasen, kann die Behandlung auch unverzögert mit einer Chemotherapie ohne vorherige Operation begonnen werden.
Die weitere Behandlung nach der Operation, richtet sich nach dem Ergebnis der feingeweblichen Untersuchung des Tumors (Seminom oder Nichtseminom?) sowie nach dem Ergebnis der Umfelddiagnostik (s.o.).
Nicht selten stehen anschließend mehrere Therapieoptionen zur Verfügung. Dies ist vor allem bei frühen Tumorstadien der Fall, die den Hauptteil der Erkrankten ausmachen. Ein ausführliches Gespräch über Vor- und Nachteile der möglichen Behandlungswege zwischen Patient und Behandler ist nun erforderlich, da die Entscheidung über den einzuschlagenden Behandlungspfad nicht zuletzt durch den Patienten selbst (nach ausreichender Beratung durch den Arzt) zu treffen ist!
Grundsätzlich ist die Therapie von Hodentumoren, insbesondere in den fortgeschrittenen Stadien, eine komplexe Angelegenheit und erfordert in der Regel ein sogenanntes „multimodales“ Behandlungskonzept. Das bedeutet, dass neben der Operation oftmals noch weitere Behandlungsschritte erforderlich sind. Diese können z.B. bestehen in einer anschließenden Bestrahlung, einer Chemotherapie und/oder in der operativen Entfernung von Lymphknoten im Bauchraum.
Auf Grund der Komplexität dieser Erkrankung ist daher ein korrektes „staging“, dass heißt die genaue Stadieneinteilung vor Beginn der Therapie von entscheidender Bedeutung für den späteren Behandlungserfolg. Diese Stadieneinteilung und die daraus resultierenden Therapieentscheidungen werden insbesondere bei komplizierten Fällen daher regelmäßig mit einem Zweitmeinungszentrum für Hodentumoren abgesprochen.
In jedem Fall empfiehlt sich die Kryokonservierung von Spermatozoen, d.h. das Einfrieren einer Samenspende vor der Behandlung für den Fall der Unfruchtbarkeit nach Abschluss der Therapie.



Nachsorge

Wie alle bösartigen Erkrankungen besitzen auch Hodentumoren prinzipiell die Fähigkeit nach erfolgreichem Abschluss einer Therapie nochmals aufzuflammen. Im Falle einer solchen Wiederkehr der Erkrankung spricht man von einem Tumorrezidiv. Insbesondere in den ersten beiden Jahren nach Abschluss der Behandlung, besteht ein stadienabhängiges Risiko für das Auftreten eines solchen Rezidives. Es schließt sich daher an jede Therapie auch ein individueller, auf die vorherige Behandlung abgestimmter Nachsorgeplan an. Dieser Plan schreibt in Abhängigkeit von Tumorstadium und stattgefundener Therapie Intervall und Art der Nachsorgeuntersuchungen vor. Um das optimale Maß an Sicherheit bei gleichzeitig möglichst geringer Belastung und möglichst geringen Nebenwirkungen durch die erforderlichen Untersuchungen (z.B. Computertomografie) zu haben, sollten diese Nachsorgepläne Berücksichtigung finden. Sie stellen jedoch lediglich Mindestanforderungen dar und können nicht jeden Einzelfall abbilden. Die Individuelle Entscheidung sollte daher immer in Anlehnung an die Nachsorgeempfehlungen von Patient und nachsorgendem Arzt gemeinsam getroffen werden.