Neuropsychologie

Neuropsychologie


Neuropsychologie ist eine Spezialdisziplin der Psychologie.
Sie beschäftigt sich mit Zusammenhängen zwischen seelisch-geistigen Vorgängen eines Menschen und dem Gehirn, mit den neuronalen Grundlagen des menschlichen Denkens, Handelns und Erlebens. Sichtbar werden diese Beziehungen vor allem, wenn das Gehirn durch Krankheit oder Unfall geschädigt wurde.
Grundlage für die neuropsychologische Therapie ist die Erkenntnis, dass nicht nur das geschädigte Gehirn einen Menschen verändern kann. Auch das Wollen, Handeln, Fühlen und Denken eines Menschen kann sein Gehirn verändern. Hier setzt die Neuropsychologie nach Erkrankungen und Schädigungen des Gehirns an: Sie versucht die Plastizität des Gehirns, seine Veränderungsfähigkeit optimal zu nutzen und neues Lernen zu ermöglichen.


Am Anfang einer neuropsychologischen Behandlung steht eine differenzierte und umfassende Diagnostik. Sie umfasst eine ausführliche Exploration der Krankengeschichte, der aktuellen Beschwerden sowie der Lebenssituation; dabei sind Informationen über das bisherige Leben wichtig, um die lebenspraktischen Auswirkungen der Störungen abschätzen zu können. Ein nächster Schritt der neuropsychologischen Untersuchung ist die standardisierte Testdiagnostik. Um herauszufinden, wie eine Störung zustande kommt, muss versucht werden, die einzelnen Fähigkeiten des Gehirns zu untersuchen. Aufmerksamkeit, Lern- und Behaltensleistung, Sprachverständnis und –produktion, räumliche Wahrnehmung und schlussfolgerndes Denken sind wichtige Teilbereiche der geistigen Leistungsfähigkeit, die getrennt voneinander mit normierten Testverfahren erfasst werden können. Dabei kommen standardisierte computergestützte sowie Papier- und Bleistiftverfahren zum Einsatz. Durch den Vergleich der Testergebnisse eines einzelnen Menschen mit den Werten einer Normgruppe kann beurteilt werden, ob und wie stark bestimmte Leistungsbereiche beeinträchtigt sind. Die Zusammenschau aller diagnostischen Informationen macht es zudem möglich, Beschwerden ätiologisch einzuordnen und einen Behandlungsansatz zu entwickeln. Dies ist besonders wichtig bei unklaren Beschwerdebildern.


Die neuropsychologische Therapie hat zum Ziel, dass ein Mensch nach einer Hirnschädigung wieder ein möglichst selbstbestimmtes Leben führen kann. Hochfrequente Trainings dienen dazu, die frühere Leistungsfähigkeit wieder herzustellen. Dabei können Grenzen der Restitution deutlich werden. Durch die Vermittlung von Strategien oder die veränderte Gestaltung von Alltagsabläufen und Umweltbedingungen können vorhandene Defizite kompensiert oder in ihrer Wirkung verringert werden. Hierzu ist es notwendig und wichtig, gemeinsam mit dem Patienten individuelle und an die aktuelle Lebenssituation angepasste Wege zu entwickeln und umzusetzen.


Eine Schädigung des Gehirns ist für viele Menschen zunächst ein Schock. Auch langfristig sind bei einer hirnschädigenden Erkrankung viele seelische Belastungen zu verkraften. Immer wieder hadern Betroffene mit dem Schicksal, sind frustriert über zu langsame Fortschritte, erleben den Verlust von beruflicher Anerkennung und privaten Freundschaften. Neuropsychologie beinhaltet daher die Arbeit mit „Kopf und Herz“: Funktionstraining und Krankheitsverarbeitung. In der psychotherapeutischen Behandlung berücksichtigt sie, dass Patienten aufgrund ihrer Funktionsstörungen nicht mehr auf gleiche Weise ansprechbar und belastbar sind wie Gesunde, das Aufmerksamkeitsdefizite, Vergesslichkeit oder Verhaltensveränderungen auch den psychotherapeutischen Kontakt beeinflussen und daher berücksichtigt werden müssen.


Die Neuropsychologische Behandlung umfasst:


• Standardisierte neuropsychologische Testdiagnostik und klinisch-psychologische Differentialdiagnostik
• Neuropsychologische Therapie aller betroffenen Gehirnfunktionen
• Beratung hinsichtlich des weiteren Therapie- und Genesungsverlaufs
• Psychologisch-psychotherapeutische Unterstützung bei der Bewältigung der Krankheit und ihrer Folgen
• Begleitende Unterstützung der Angehörigen

Das Zertifikat Klinische Neuropsychologie GNP steht am Abschluss einer qualitätsüberprüften Weiterbildung. Diese kann von Diplom-Psychologen nach Abschluss ihres Studiums aufgenommen werden. Kernstück dieser Weiterbildung ist die dreijährige angeleitete klinische Tätigkeit in einer anerkannten Einrichtung. Ausführliche praktische Erfahrungen, vertieftes Wissen über zerebrale Erkrankungen, ihre Folgen, ihre Diagnostik und ihre Behandlung sowie Kenntnisse in verschiedenen Nachbargebieten werden in einer mündlichen Prüfung am Ende der dreijährigen Weiterbildung noch einmal dargelegt.

 

Anita Quirbach


Testdiagnostik


Daniela Strieker


Dr. Schumacher-Bittner


Hilfreiche Links:

Der Integrationsfachdienst (IFD) bietet Beratung und Unterstützung für Patienten mit neurologischen oder psychischen Erkrankungen, die einen Arbeitsplatz suchen oder Schwierigkeiten am Arbeitsplatz haben.

 

 

Die Hannelore Kohl Stiftung hilft Menschen mit Verletzungen des Zentralen Nervensystems.

 

Gesellschaft für Neuropsychologie GNP